200 Jahre Theoder Fontane !! - Theater: "Grete Minde - gestern, heute, morgen?"

Das junge Waisenmädchen Grete wächst Ende des 16. Jahrhunderts in Tangermünde in der Obhut ihres Halbbruders Gerdt und dessen Frau Trud auf. Trud, eine harte und strenge protestantische Frau, ist eine religiöse Fanatikerin. Gretes katholischer Glauben und ihre spanische Herkunft sind ihr ein immerwährender Dorn im Auge. So ist Gretes Leben geprägt von Demütigungen, Schikanen, häufiger Ausgrenzung und Fremdenhass. Einzig in den Armen ihrer großen Liebe Valtin findet sie Geborgenheit und gelegentlich etwas Frieden.


So geschieht es eines Tages, dass die Spannungen im Haus Minde eskalieren und Grete nach einem Streit davonläuft. Sie und Valtin schließen sich, endlich frei von den Zwängen der patriarchalischen  Gesellschaft Tangermündes, einer fahrenden Gauklertruppe an und ziehen durch die Lande. Doch das Glück des jungen Paares währt nur kurz. 3 Jahre nach ihrer Flucht aus Tangermünde erkrankt Valtin schwer und liegt im Sterben. Grete die mittlerweile schwanger ist, muss ihrem Mann am Sterbebett versprechen zurück nach Tangermünde zu gehen und ihren Halbbruder um Vergebung zu bitten. Gerdt jedoch verstößt seine Schwester und verweigert ihr auch, dass ihr von Rechtswegen zustehende Erbe. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an den Tangermünder Stadtrat und will ihren Erbteil einklagen, doch dieser ist auf der Seite ihres Halbbruders.
Gedemütigt und jeglicher Hoffnungen beraubt verliert sie in ihrer Verzweiflung den Verstand. Sie steckt die Stadt in Brand und steigt auf den Glockenturm der mächtigen Kirche St.Stephan um dort in Mitten des Infernos selbst unterzugehen.

 

Theodor Fontanes tragische "Heldin" ist das Sinnbild eines Menschen der am Egoismus einer Gesellschaft, der alle gleichermaßen zu Tätern und Opfern macht, zerbricht. Sie kämpft für Freiheit, Selbstbestimmung und das ihr gesetzlich zustehende Recht, doch scheitert sie an den dogmatischen Wertevorstellungen ihrer Zeit sowie den Seilschaften eines ebenso unfreien Gerichtes. Entgegen Fontanes Kernfigur, ging die echte Grete nicht im Brand mit ihrer Stadt zugrunde.
Sie wurde vor genau 400 Jahren am 22. März 1619 auf grausame Art und Weise hingerichtet. Somit jährt sich heuer ihr Todestag zum 400sten Mal. Noch heute gilt sie als ein tragisches Opfer der Justiz.

1998 erhielt Theaterfrau und Regisseurin Monika Schubert aus Marktoberdorf einen Stückauftrag aus Neuruppin, der Heimatstadt Fontanes. Sie sollte anlässlich des 100sten Todestages Theodor Fontanes ein Stück über eine seiner Figuren schreiben. Ihre Wahl fiel auf Grete Minde. Ihr Stück wurde mit Schauspielern der "Kleine(n) Kunstbühne und Theaterschule mobilé", dessen Leiterin sie ist, im Rahmen der Collage "Lieber Theodor" in Neuruppin vor 21 Jahren uraufgeführt.

Dieses Jahr feiert man den 200sten Geburtstag Fontanes. Infolge dieses Jubiläums, des 400sten Todestages Grete Mindes und der langjährigen Verbindung nach Neuruppin widmen sich die Regisseure Lucia Golda und Patrick Lutz – beide sind ebenfalls als Schauspiellehrer in der Theaterschule mobilé tätig – dem berührenden Stoff. Letzterer überarbeitete das Stück von Frau Schubert und verlegte den Blick der Hauptfigur auf ihr eigenes Seelenleben.
Unter dem Titel "Grete Minde - gestern, heute, morgen?" richtet sich der Fokus auf Gretes Gefühlswelt im Moment des Brandes. Im Angesicht ihres eigenen Todes ziehen ihr Leben und ihre Erfahrungen in Fragmenten an ihr vorbei. Der Zuschauer bleibt nicht nur stiller Beobachter, sondern wird mehr und mehr selbst zum Volk Tangermündes und Teil der Inszenierung.

In ihrer zweiten gemeinsamen Regiearbeit setzen sich Lucia Golda und Patrick Lutz („Mr. Pilks Irrenhaus“) gemeinsam mit den jungen SpielerInnen der Theaterschule mobilé mit der tragischen Geschichte um Grete Minde auseinander. 400 Jahre nach ihrem Tod ist Grete aktueller denn je.

VVK nur beim Kulturbüro mobilé 08342 / 40185; an den Veranstaltungstagen 1 Std. vor Beginn direkt an der Theaterkasse in der filmburg
Mi
20.11.
20:00
Fr
22.11.
20:00

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